Samstag, 13. Juni 2026, 18:00 Uhr
Melanchthonkirche
Horizont Amerika
Ein moderiertes Orgelkonzert mit Musik von
Charles Ives, John Cage und Morton Feldman

Orgel: Ludwig Kaiser
Eintritt: 10 | 5 EUR
Das moderierte Orgelkonzert beginnt mit dem Urvater der amerikanischen Moderne Charles Ives, der in seinen Kompositionen mit Collagetechniken, der Einbeziehung des Raums und eigenständigen Dissonanzen experimentierte und sich so schon um 1900 mit Atonalität, formaler und rhythmischer Mehrschichtigkeit sowie Vierteltonmusik auseinandersetze.
John Cage, Schüler von Henry Dixon Cowell und Arnold Schönberg, wurde mit seinen Ideen zu einem der wichtigsten Anreger von experimenteller Musik und Kunst. Mit seinen Neuerungen hörte er nicht auf, die Welt mit veränderten musikalischen Erfahrungen zu konfrontieren, die Zufall und Unbestimmtheit unter immer anderen Vorzeichen in die Musik einbrachten.
Cages ästhetischer Ansatz schließt nichts aus. Das Material ist unerschöpflich. „Bis ich sterbe, wird es Klänge geben. Und sie werden nach meinem Tod weiter dasein. Es gibt nichts zu fürchten hinsichtlich der Zukunft der Musik.“
John Cage schrieb zu ORGAN 2/ASLSP:
„Der Titel ist eine Abkürzung für ‚AS SLOW AS POSSIBLE.“ Vor dem ersten Entwurf hatte John Cage die aus Deutschland vertriebene Pianistin Grete Sultan in New York die ‚Kunst der Fuge‘ von Bach spielen sehen und hören. Die Stellungen und Wege der Finger und der Hände waren bei ihr der sichtbare Inbegriff von Musik: Theorie, Spieltechnik und Ausdruck im gleichen unteilbaren Vorgang. So erfand Cage Positionen der Hände im Verhältnis zur Klaviatur und komponierte damit. Für die Orgel entdeckte er hierbei eine überzeugende, aber noch nie verwendete Notation in 4 Systemen: für rechte Hand, linke Hand, rechten Fuß und linken Fuß. Aufgeschrieben sind nur die Tonhöhen und ihre Dauern; der Rest ist Aufgabe des Interpreten (wie übrigens bei Bach auch).
Morton Feldmans Leben als Komponist ist eine Aneinanderreihung unermüdlicher Schritte, um die Wirklichkeit zu durchschauen und zu einem inneren Bereich vorzudringen, dessen Intensität nur durch die Spuren, die sie in der Erinnerung hinterläßt, erfahrbar ist.
Im Hinblick auf den Schaffensprozeß ist Feldmans Kunst eine ‚im Werden begriffene‘ – immer geht ein neuer Feldman unter Schmerzen aus den sterbenden Resten seines vorigen Werkes hervor, so daß die Suche auf einer neuen Ebene weitergehen kann.
In den 50er Jahren weitere wichtige Begegnungen in New York mit den Komponisten Earle Brown und Christian Wolff, dem Pianisten David Tudor sowie den Malern Mark Rothko, Philip Guston, Franz Kline, Jackson Pollock und Robert Rauschenberg. Die Bekanntschaft mit diesen Malern hatte nicht zuletzt großen Einfluß auf seine grafischen Notationen in jener Zeit, aber auch auf sein musikalisches Denken der späteren Jahre: Feldman arbeitet mit ungewöhnlichen Zeitstrukturen, antiteleologisch in jenem Sinn, daß nicht ein bestimmter Prozeß ‚beschrieben’ wird, sondern spiralartig ein Raum in den unterschiedlichsten Klangbildern prozeßhaft durchschritten wird. So auch in seinem großen Werk Prinzipal Sound für Orgel solo aus dem Jahre 1981.
Das Konzert endet mit Souvenir von John Cage.
Das Stück Souvenir ist ein leichtfüßiges Andenken und als Reihungsform mit wiederkehrendem Refrain und eingeschobenen Zwischenspielen angelegt. Der Refrain endet immer mit einer pendelnden Abschiedsfigur, die den Eindruck eines Winkens vermittelt – leiser werdend und sich entfernend.
John Cage sagte, „ich verstehe nicht, warum Leute Angst vor neuen Ideen haben. Ich habe Angst vor den alten“ und er hoffte, durch neue Hörerfahrungen seine Zuhörer unwiderruflich zu verändern.